BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Josua Harrsch alias Kocherthal

1669 - 1719

 

Der Autor

 

Josua Harrsch alias Kocherthal, evangelisch-lutherischer Pfarrer, wurde am 30. Juli 1669 in Fachsenfeld (Baden-Württemberg) geboren als eines der 23 Kinder des Amtsvogts Johann Georg Harrsch (Josuas Neffe war der spätere österreichische Feldzeugmeister Ferdinand Amadä Graf von Harsch, der möglicherweise die späteren Kontakte nach England vermittelt hat). Nach der Schulzeit am Gymnasium in Schwäbsch Hall studierte Josua in Wittenberg Theologie. Dort promovierte er 1695 mit der Arbeit «De efficacia verbi divini in actu primo» (Über die Wirksamkeit des göttlichen Worts im Schöpfungsakt). Nach der Rückkehr aus Wittenberg 1695 reichte er an der theologischen Fakultät in Tübingen unter dem Titel «Officium ministri verbi divini» (Pflicht des Dieners von Gottes Wort) eine weitere Dissertation ein. 1696 erfolgte die Ordination und anschließend war er Pfarrer in den drei kurpfälzischen Gemeinden Eschelbronn, Mönchzell und Daisbach im Kraichgau. Im selben Jahr heiratete er Sibylla Charlotta Winchenbach. Doch die ständigen Franzoseneinfälle und die schwierige Situation der Lutheraner in der Kurpfalz bestärkten seine Auswanderungspläne. Deshalb reiste er 1704 incognito nach London und nahm Kontakt zu englischen Adligen auf, die in Carolina große, noch unbesiedelte Ländereien besaßen. Wohl in ihrem Auftrag gab er 1706 unter dem Pseudonym «Kocherthaler» seine berühmte Flugschrift über die Vorzüge der Provinz Carolina heraus, deren erste Auflage sich nicht erhalten hat. Auch die weiteren Auflagen waren schnell vergriffen und waren mit die Ursache für die Massen­auswanderungen aus dem südwestdeutschen Raum in dieser Zeit. Die britische Regieung kam durch diesen Ansturm in Bedrängnis und gab deshalb Gegenschriften in Auftrag, etwa «Das verlangte nicht erlangte Canaan», verfaßt von Anton Wilhelm Böhm. Harrsch selbst verließ im März 1708 heimlich seine Pfarrstelle und reiste mit der Familie und einer Schar Gleichgesinnter nach London. Ende 1708 gelangte die Gruppe auf einem Auswandererschiff nach New York, und im Frühjahr 1709 bekamen die «Palatines» dann einen Siedlungsplatz am Westufer des Hudson zugewiesen, wo sie den Ort Newburgh (Neuburg) gründeten. Im Sommer 1709 reiste Kocherthal nocheinmal nach London um weitere Hilfe zu erbitten. Am 14. Juni 1710 kehrte er mit 850 Auswanderer-Familien und dem neu ernannten Gouverneur Robert Hunter mit zehn Schiffen nach New York zurück. In den folgenden Jahren widmet sich «der erste Pastor der Deutschen in Nordamerika» dem Aufbau der evangelischen Gemeinden seiner Region. Das Kirchenbuch, das er 1708 auf der Überfahrt begonnen hatte, führt er bis zu seinem Tode fort. Er stirbt am 24. Juni 1719 in New Town (heute Saugerties/New York). Er wurde neben seiner Frau Sibylla auf seinem Landbesitz in Westcamp beerdigt. 23 Jahre später widmeten die drei Töchter ihren Eltern eine Grabinschrift.

 

 

Das Werk

 

Disputatio theologica de efficacia verbi divini in actu primo (Dissertation, 1695)    >>>

Officium ministri verbi divini (1696)

Außführlich und Umständlicher Bericht Von der berühmten Landschafft Carolina (1706/09)

Kirchenbuch (1708 - 1719, englische Übersetzung)

 

 

Sekundäres

 

Newburgh und Newtown in alten Ansichten

Josua Harrsch (Wikipedia)

Geschichte der Kirche St. Paul in Westcamp

Gegenschrift: Das verlangte, nicht erlangte Canaan ... absonderlich dem einseitigen

übelgegründeten Kochenthalerischen Bericht wohlbedächtig entgegen gesetzt (1711)

Quellen, Kolophon